Mit dem Tod leben: Was lehrt uns die eigene Endlichkeit?


Inhalt

  1. Die eigene Endlichkeit

  2. Abschiedsbrief

  3. Übung Testament der kleinen Dinge

  4. Vorsorge

  5. Digitaler Fußabdruck

  6. Trauertee

  7. Bücherempfehlungen


DIE EIGENE ENDLICHKEIT

Wir alle wissen, dass wir irgendwann sterben werden. Dennoch schieben viele den Gedanken an den eigenen Tod weit von sich. Dabei kann es helfen, sich der eigenen Endlichkeit bewusst zu werden.


Erstmalig wurde mir meine eigene Endlichkeit beim Tod meines Vaters und der darauffolgenden Ausbildung zur Lebens- und Trauerbegleiterin vor Augen geführt. Vorher hatte ich mit dem Thema einfach keine Berührungspunkte und keine Notwendigkeit gesehen mich damit zu befassen.


Die Endlichkeit, die der Tod unserem Leben vorgibt, ist eine wichtige Richtschnur für unsere Lebensweise, unser Bewusstsein und unsere Entscheidungen. Wenn ich weiß, dass das Leben endlich ist, bekommt es eine andere Gewichtung. Durch meine Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich die Angst vor dem eigenen Sterben verloren. Ich habe gemerkt wie kostbar jeder einzelne Tag ist und ich lebe seitdem bewusster und dankbarer denn je.


In Zuge meiner Ausbildung habe ich an einer Sterbemeditation teilgenommen. Dort wurde das eigene Sterben durchlebt, die Minuten davor, der Sterbeakt und die folgende eigene Trauerfeier aus einer Vogelperspektive angeschaut. Danach haben wir das Erlebt aufgeschrieben und so habe ich nun eine klare Vorstellung davon, wie meine Trauerfeier gestaltet sein soll. Und ich habe es niedergeschrieben, so dass wenn mir etwas passieren sollte, mein Mann Bescheid weiß was zu tun ist. Im akuten Trauerprozess ist es ratsam eine solche Meditation nur mit einer fachkundigen Person und nicht allein durchzuführen.


Mit der eigenen Endlichkeit kann man aber auch noch auf andere Art und Weise in Kontakt kommen. Im weiteren Verlauf liest Du meinem Abschiedsbrief, den ich vor 15 Jahren an einer meiner besten Freundin geschrieben habe. Die Aufgabenstellung war, so zu tun, als würde man seinen aller letzten Brief schreiben. Es ist schon bezeichnend an wen man ihn verfasst und welchen Inhalt er hat.



ABSCHIEDSBRIEF

Liebe Claudia*,


du bist nun der letzte Mensch, dem ich einen Brief schreiben kann. Wenn du diesen liest, bin ich schon weit weg von der Erde, in einer neuen Welt die mir ebenfalls gut gefällt, denn ich weiß, dass ich meinen Vater wieder sehen werde und hier für immer in Gerechtigkeit mit vielen lieben gestorbenen Menschen weiterleben werde.


Ich weiß wir kennen uns noch nicht lange und dennoch sehe ich in dir einen der liebsten Menschen, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe. Ich finde es toll, dass wir trotz der Entfernung immer einen Weg gefunden haben uns wieder zusehen. Unsere Treffen waren für mich immer sehr erfrischend uns ausgeglichen, denn durch deine herzliche, loyale, rücksichtsvolle und aufgeweckte Art hast du mich immer berührt. Nun ist die Zeit gekommen Abschied voneinander zu nehmen. Weißt du noch unsere Worte bei jedem Abschied: „Versprich mir, dass wir uns wieder sehen!“. Damit haben wir uns immer auf das nächste Treffen gefreut und es hat uns ein bisschen über den Abschiedsschmerz getröstet. Diesmal ist es ein Abschied für immer. Ich hoffe du behältst mich als eine besondere Freundin in Erinnerung und wünsche dir auf deinem Lebensweg alles Gute. Du bist eine wunderbare Frau!


P.s.: Anbei findest du auch mein Testament und meine Vorstellung zu meiner Beerdigung. Ich weiß, dass du alles nach meinen Vorstellungen gestalten wirst. Vielen Dank dafür.


Deine Eleni


* Name geändert



ÜBUNG TESTAMENT

Für die Übung Testament der kleinen Dinge brauchst Du eine ungestörte Umgebung und ein Notizbuch oder Deinen Laptop.


Nimm Dir ein wenig Zeit und schau Dir Deine Besitztümer an. Was ist Dir wertvoll und womit könntest Du anderen nach Deinem Ableben eine Freude machen? Schreibe nun alle Dinge auf und benenne Personen, die diese Gegenstände haben sollen. Dabei muss es nicht um ein prall gefülltes Bankkonto gehen, schaue auf die kleinen Dinge, die Du besitzt.



VORSORGE

In dem Moment, wo ein naher Angehöriger stirbt, scheint die ganze Welt still zu stehen und doch drängen sich nach kurzer Zeit Fragen auf zu denen man nur bedingt eine Antwort hat.


Worum muss ich mich jetzt kümmern? Wem muss ich Bescheid geben? Welche Wünsche hatte der/die Verstorbene? Gibt es ein Testament? Wo finde ich alle wichtigen Unterlagen? Was passiert mit Verträgen und Versicherungen? Was muss ich als Erstes regeln? Welche Kosten kommen auf mich zu?


Niemand spricht gerne über den Tod und doch sollten wir von unseren nächsten Angehörigen wissen was sie wollen in Bezug auf ihr eigenes Ableben.


Feuer, Wasser, Wald oder vielleicht sogar Wind – wie soll die eigene Bestattung aussehen? Auf welchem Friedhof? Soll es eine Trauerfeier geben oder lieber ab Kapelle gehen? Wie viele Karten mit welchem Text? Soll es in der Zeitung erscheinen? Welcher Blumenschmuck? Spätestens beim Trauergespräch beim Bestatter werden Antworten dazu notwendig werden.


Darum lohnt es sich, sich vorher Gedanken zu machen und diese mit den Angehörigen zu teilen bzw. ihnen mitzuteilen wo sich alle wichtigen Dokumente befinden. Auch bieten Bestattungsinstitute die vorzeitige Planung der eigenen Beerdigung an, welche sich besonders eignen, wenn man keine nahen Angehörigen mehr hat.


Eine Sterbegeldversicherung kann ebenfalls zur Vorsorge abgeschlossen werden. Diese Versicherung regelt die finanzielle Absicherung einer Bestattung. Wird eine solche Versicherung als Vorsorge abgeschlossen, zahlt diese im Todesfall die Bestattungskosten und entlastet so die Angehörigen.



DIGITALER FUßABDRUCK

Fast jeder teilt heutzutage sein Leben auf Instagram, Facebook und anderen sozialen Plattformen.


Was passiert allerdings mit all den Zugängen und Accounts, wenn jemand verstirbt? Einige Angehörige nutzen die sozialen Netzwerke und deren Accounts, um sich an den Verstorbenen zu erinnern und um ihm oder ihr nah sein zu können. Aber was passiert, wenn man den Account löschen möchte? Was wenn man gar keine Zugangsdaten und Passwörter für den Account hat?


Der „digitale Fußabdruck“ eines Verstorbenen kann somit die Angehörigen vor weitere Probleme und Herausforderungen stellen.


Bei Facebook und Instagram kann der Account in einen so genannten „Gedenkzustand“ versetzt werden, um Beileidsbekundungen entgegennehmen zu können. Abgesehen davon können Angehörige mit einem entsprechenden Formular und einem Nachweis wie der Todesanzeige oder einer Trauerkarte die vollständige Löschung des Accounts beantragen.


Auch hier sieht man wieder, wie wichtig es ist alle Dokumente, Passwörter etc. an einem Ort sicher aufzubewahren, so dass den Angehörigen zusätzlicher Stress abgenommen wird.



TRAUERTEE

Im Mai hat mein neues Angebot der Trauertee besonderen Anklang gefunden. Dabei geht es um den Austausch zwischen Frauen, die kürzlich einen Verlust erlitten haben und in einer Gruppe darüber reden wollen. Dieses Angebot biete ich zwei mal im Monat jeweils Sonntags um 11 Uhr an. Wenn Du Dich für den nächsten Trauertee anmelden möchtest, kannst Du das gerne hier tun.



Weitere Bücherempfehlungen





Über das Sterben






Kostenloses Kennenlerngespräch

Du hast Interesse Dich mit deiner eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen, willst es aber nicht alleine tun? Gerne kannst Du hier ein kostenloses Kennenlerngespräch vereinbaren.



Hallo, ich bin Eleni Krautz.

Ich habe Wirtschaftspsychologie studiert und vor meinen beiden Kindern in der Personalabteilung gearbeitet. Durch den existenziellen Verlust meines Vaters vor über 15 Jahren, habe ich gemerkt wie hilfreich eine professionelle Unterstützung für mich damals war. Seitdem habe ich mich kontinuierlich weitergebildet und arbeite heute selbstständig in eigener Praxis in Wuppertal-Ronsdorf und online mit Menschen, die ebenfalls einen schweren Verlust erlitten haben. Dazu bin ich noch ehrenamtlich in der Telefonseelsorge tätig.



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